3. Tag (Sa): Brescia – die schöne Unbekannte und Viva la Mamma!
Brescia, die westlich vom Gardasee gelegene Provinzhauptstadt, hat nicht den Ruf eine Kunststadt von Rang zu sein. Umso grösser ist die Überraschung! Schon ein erster Spaziergang durch das Centro storico offenbart einen seltenen Reichtum an antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Bau- und Kunstwerken. Wir sehen die prächtige Piazza della Loggia, das teilrekonstruierte römische Kapitol und den quirligen Domplatz mit dem alten und dem neuen Dom. Bewunderung ruft Tizians berühmtes Averoldi Polyptychon und das barocke Bijou der Santa Maria della Carità hervor. Die Corpus-Christi-Kirche gilt als Sixtinische Kapelle Brescias. Gemeinsames Mittagessen. Danach bleibt noch etwas Zeit fürs Einkaufen; vor allem im Corso Zanardelli finden sich gehobene kleine Boutiquen und Buchläden, Feinkostläden und hübsche Cafés. Am Abend dann eine Opera buffa im Teatro Donizetti in Bergamo. Die Hosenrolle kennen alle Opernfreunde. In der Regel sind es Mezzosopranistinnen, die einen Jüngling darstellen. Dass ein Bassist im Rock eine resolute italienische Mamma verkörpert, ist eher die Ausnahme. So in Donizettis Le convenienze ed inconvenienze teatrali – also Sitten und Unsitten des Theaters -, auch unter dem Titel Viva la Mamma! bekannt. Donizetti nimmt hier sein Metier gekonnt aufs Korn: Die zweite Sopranistin will ein Solo, die Primadonna ist beleidigt, der Tenor verliert seine Stimme, Komponist und Librettist können sich nicht einigen, Chaos überall. Nur Mamma Agata – mit sonorem Bassbariton – kann die Aufführung retten.